OBSenEM 2026 mit 3 SGWlern
Die 42. Ausgabe der Offenen Berliner Senioren Einzelmeisterschaft begann gestern bei TSG Oberschöneweide mit 114 Startenden, darunter 7 FM. Aus unserem Verein sind Matthias (Startplatz 6), Mario (Startplatz 20) und Henry (Startplatz 62) dabei. Leider loste das System gleich in der ersten Runde Henry gegen Matthias aus. Die Anbieter Chessbase und Lichess bieten die zeitverzögerte Übertragung der ersten sechs Bretter an. Dies nutzte ich gleich nach der Arbeit und schaute ab zirka 16 Uhr unseren Clubspielern zu. Matthias hatte zu diesem Zeitpunkt mit Weiß einen Vorteil von zwei Bauern und Henry wehrte sich tapfer. Ein weißfeldriger Läufer kontrollierte einen gegnerischen Springer recht gut. Nach zähem Kampf konnte Matthias wie sein Bruder Mario den Punkt einstreichen.
Zur Partie von Matthias aus der 3. Runde möchte ich anmerken, dass er es sich mit Weiß schwer gemacht hat. Ich werde nicht so tun, also würde ich es besser können, denn auf Lichess läuft inzwischen die aktuelle Version Stockfish 18. Zumindest war es zwischendurch verloren und unser erstes Brett musste ums Remis kämpfen (bei 2 Freibauern des Gegners mit Dame gegen 2 Türme). Aber 38.Txe6+ Dxe6 39.Txe6+ Kxe6 40.Kd4 mit remis sehe sogar ich kleiner Patzer.
Mario spielt zur 4. Runde gegen einen FM ein Brett vor seinem jüngeren Bruder (beide mit Schwarz). Dafür darf Henry Anziehender sein. Ich finde, unsere Recken liegen derzeit gut im Rennen.
Mario kommt bei einem Bauernansturm auf dem Damenflügel mit kompliziertem Figurenspiel unter die Räder. Matthias erreicht ein ungefährdetes Remis.
Aus der 5. Runde kann ich wieder nur von Matthias‘ Partie berichten. Bis zum Mittelspiel plätscherte die Partie so dahin. Nach 27.f3 sank die Bewertung der Engine, denn nach 27. … Lxf3 28.Dxf3 Dd3! hängt Lc3 und Se3 ist gefesselt und doppelt angegriffen. Nach 29.Tf1 kann Weiß zwar auf 29. … Txe3 hoffen, um mit 30.Dxf7+ zu kontern. Es wird aber kein Dauerschach, weil die schwarze Dame f5 kontrolliert. Außerdem geht Schwarz dieser Variante mit 29. … Dxe3+ aus dem Weg. Und nach 30.Dxe3 Txe3 31.Tc1 Te2 32.Le1 kann Weiß noch weiter spielen. Beide Spieler schafften die Zeitkontrolle. Die Partie gewann nun an Spannung. 48. … Le6 kam einen Zug zu früh. Matthias glich aus. Er wartete jetzt auf seine Chance. Der Gegner muss schon nervös gewesen sein. Den unscheinbaren Zug 55. … g6 hätte ich als Zuschauer gar nicht als so schlimm empfunden, weil er den Läufer auf f5 deckt und nun nicht mehr vom schwarzfeldrigen Läufer auf weißer Seite angegriffen werden kann. Leider verhindert er Th6 mit Druck auf h3, was auch den weißen Turm an die 3. Reihe bindet. Matthias findet 56.b4! 56. … c5 verbietet sich wegen Freibauernbildung. So folgt der hübsche Schwenk 57.Ta3, was Weiß auf die Siegerstraße bringt. Nach dem schweren Fehler 60. … Th8? fällt dieser Turm mit 61.Lxh8 und Schwarz gab auf. Glückwunsch zu deiner Geduld und dem Kampfeswillen, Matthias!
Sonntag ist spielfrei. Matthias spielt am Montag an Brett 1 gegen einen FM aus Frankreich. Henry bekommt einen Spieler aus Norwegen.
Matthias musste leider seine erste Niederlage in diesem Turnier einstecken. Nach Ungenauigkeiten im Mittelspiel zeigte sein Gegner, dass er auch Schach spielen kann. Dafür gewannen Mario und Henry.
Zur 7. Runde spielt Matthias an Brett 7 und ist damit vor meinen Kommentaren zur Partie sicher. Alle Gegner sehen machbar aus.
Henry und Matthias konnten siegen.
Matthias darf an Brett 2 gegen einen FM antreten. Henry spielt mit Brett 19 ganze 6 Bretter vor Mario.
Sensationell, Matthias gewinnt mit Schwarz! Und Mario auch. Alle Fide Meister versammelten sich an den ersten 5 Brettern. Gerade, als Matthias mit 27. … c5? Gegenspiel aufziehen will, erwischt ihn eine böse Kombination eiskalt: 28.Txe6 reißt seine Stellung auf. Matthias spielt unbeirrt 28. … cd. Nun würde 29.T6e5 die Dame vertreiben, gefolgt von 30.La4 mit Materialgewinn. Weiß geht jedoch mit 29.cd abgelenkt auf Matthias‘ Zug ein. Nun folgt 29. … fe 30.Dxe6+ Kf8. Der Td7 hängt, kann aber noch nicht geschlagen werden (31.Dxd7?) wegen 31. … Dxe1+! Daher sollte 31.Te5 gespielt werden. Hier zeigt sich, warum man nicht zu früh aufgeben soll. Denn hat der Gegner wirklich alle relevanten Züge richtig berechnet? An dieser Stelle zumindest nicht, denn Weiß drohte Matt mit 31.Lb3? Dieser große Patzer übersieht die starke Antwort 31. … Df5! Das Feld g8 ist vom Springer unter Kontrolle. Die Dame deckt f7 ab und beschützt zugleich den eigenen Turm. Beim Zuschauen sah ich diesen Zug sogar, erkannte aber nicht sofort, wie gut er tatsächlich ist. Schwarz gab jedenfalls auf. Ja, auch Titelträger kochen nur mit Wasser.
Damit steht Matthias vor der letzten Runde morgen auf Platz 4. Der führende französische FM hat einen Punkt Vorsprung vor den Verfolgern und benötigt nur noch ein Remis zum Turniergewinn. Ein FM, zwei andere Spieler und Matthias hoffen auf einen Ausrutscher.
Matthias macht ein Kurzremis, wie später alle anderen um ihn herum bis Brett 7 auch. Mario beendet das Turnier mit dem gleichen Ergebnis. Henry muss leider noch eine Niederlage einstecken. Damit landet Matthias auf dem undankbaren 4. Platz. Ich vermute, er ist damit zufrieden. Mario kommt auf Platz 41 ein. Henry genau auf seinem Startrang.
Matthias: 6,5/9
Mario: 5/9
Henry: 4/9

